2020

Die Norddeutsche - 28.07.2020

 

                            Die zweite Karriere

 

Philipp Koschinsky will bei den Sportschützen Bremen wieder Ringzahlen jenseits der 390 ins Visier nehmen

 

von Karsten Hollmann

Lesum. Für einen Luftgewehr-Freihand-Zweitligisten ist es nicht einfach, in Deutschland Neuzugänge zu finden, die auf diesem Niveau mithalten können. Deshalb freuen sich die Sportschützen Bremen aus Lesum umso mehr darüber, einen Neu-Bremer für sich gewonnen zu haben, der für Ergebnisse jenseits der 390 Ringe gut ist. Philipp Koschinsky studierte in Bremerhaven Maritime Technologie und zog nun zu seiner Freundin Jana Schnelle nach Schwachhausen.

 

„Ich hatte während meines Studiums keine Zeit für mein Hobby, wollte nach meiner jahrelangen Abstinenz aber wieder an meine guten Jugendjahre anknüpfen“, sagt der 31-Jährige. Lange war er für den SV Garßen in der Landes- oder in der Verbandsliga angetreten und hat dabei bis zu 392 Ringe erzielt. „Ich war nun auf der Suche nach einem Verein, in dem ich leistungsmäßig wieder an diese Zeit herankommen oder mich vielleicht sogar noch steigern kann. Dabei gerieten die Sportschützen Bremen in mein Visier“, informiert „Kuschi“, wie er von Freunden genannt wird. „Den Spitznamen hatte schon mein Vater“, sagt Philipp Koschinsky. Horst Koschinsky ist Pistolenschütze bei der SG Bedenbostel im Landkreis Celle und brachte seinen Sohn dort vor mehr als 20 Jahren zum Schießsport. „Bedenbostel ist ein kleiner Ort mit weniger als 1000 Einwohnern. Da ist es ganz normal, dass man in den Schützenverein eintritt“, so Koschinsky.

Mit dem Pistolen-Schießen konnte Philipp Koschinsky jedoch ebenso wenig etwas anfangen wie mit dem Auflage-Schießen. „Auch für das Kleinkaliber-Liegend-Schießen oder für den Dreistellungskampf konnte ich mich nicht so richtig motivieren. Dafür bin ich im Luftgewehr-Freihand-Schießen schnell vorangekommen“, sagt Philipp Koschinsky. Im Anschluss an seine Zeit in Bedenbostel trainierte er auch noch beim SV Eschede, ehe er zum SV Garßen stieß. Vom ersten Training auf der Anlage des Blumenthaler SV bei den Sportschützen Bremen zeigte sich der Ingenieur für Unterwasserrobotik sehr angetan: „Ich bin gleich auf meine neuen Teamkollegen Jens Hinrichs und Kevin Standhartinger sowie auf den Vorsitzenden Andreas Brenneke getroffen. Die traten mir freundlich und aufschlussreich entgegen und bewiesen auch eine gute Fehleranalyse.“ Abgesehen von der Corona-Pause trainiert der Sportschützen-Neuzugang bereits seit mehr als einem halben Jahr zweimal in der Woche. Das Training zahlt sich auch schon aus. „Angefangen habe ich mit etwa 375 Ringen. Jetzt hatte ich aber auch schon einmal wieder 392 Ringe“, verrät Koschinsky.

 

Während seiner Abstinenz im Schießsport frönte Philipp Koschinsky seiner zweiten großen Leidenschaft, dem Fußball. Er kickte abwechselnd beim TSV Wehden oder beim TSV Düring in der Kreisliga beziehungsweise in der 1. Kreisklasse Cuxhaven. Der Allrounder lief dabei kurioserweise sowohl als Stürmer als auch als Innenverteidiger auf. „Das liegt an meiner Schnelligkeit. Die war gut für den Angriff, aber auch dafür, um als zweiter Innenverteidiger die schnellen Leute der gegnerischen Mannschaften abzulaufen“, erklärt Koschinsky. Nach der Saison 2018/2019 hängte er seine Fußballschuhe allerdings an den Nagel. „Ich hatte einfach keine Lust, mir noch irgendwo auf dem Dorf die Beine eintreten zu lassen“, so der Werder-Fan.

 

Mit seiner Anhängerschaft zu Werder Bremen meint es der 31-Jährige aber nach wie vor ernst. „Ich habe mir die Relegationsspiele gegen den 1. FC Heidenheim alleine daheim auf dem Sofa angeschaut und dabei fast einen Nervenzusammenbruch erlitten“, schildert der Sportler seine Eindrücke vom so gerade eben realisierten Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga. Der Dauerkarteninhaber war früher Fan von Hannover 96 und ist erst mit seinem Umzug in das Bundesland Bremen zum Werder-Anhänger geworden. „Zumindest den Farben bin ich treu geblieben“, scherzt Koschinsky. Er habe die Fortsetzung des Spielbetriebs in den deutschen Profiligen nicht befürwortet. „Es wurde sehr deutlich, dass es sich bei den Vereinen um Wirtschaftsunternehmen handelt und das Geld immer wichtiger wird. Ich fand es nicht in Ordnung, dass bei den Profis 22 Leute auflaufen durften, während die Kinder zu Hause bleiben mussten“, kritisiert Philipp Koschinsky. Er räumt allerdings ein, dass er eine Pleite seines Lieblingsvereins durch die Corona-Krise als sehr bedauerlich empfunden hätte: „Das wäre für die Stadt Bremen sehr ärgerlich gewesen.“

 

Philipp Koschinsky freut sich bereits auf den Saisonauftakt in der 2. Luftgewehr-Freihand-Bundesliga Nord am Sonntag, 11. Oktober, mit einem Heimschießtag. „Wie das dann genau ablaufen wird, wissen wir allerdings noch nicht“, erklärt Koschinsky. Ende August oder Anfang September wollen die Sportschützen aus allen Himmelsrichtungen zusammenkommen, dann wird der Neuzugang auch seine Kollegen aus den Niederlanden und Dänemark kennenlernen. Cecilia van Dongen kennt Koschinsky jedoch bereits vom Aufstiegswettkampf zur 1. Bundesliga am Anfang des Jahres in Hannover, denn er hatte sie unterstützend begleitet. Auch wenn die Schützen von Weltniveau ihren Leistungshöhepunkt laut Philipp Koschinsky eher mit Anfang 20 haben, rechnet er sich als Mannschaftsmitglied der Sportschützen Bremen einiges aus: „Ich hoffe, dass meine besten Jahre im Schießsport erst noch kommen.

 

 

Die Norddeutsche - 18.06.2020

Den Aufstieg im Visier

Sportschützen Bremen verstärken sich erneut und peilen die Erstklasigkeit an

von Karsten Hollmann
 

 

Lesum. In den nächsten Wochen wird der Deutsche Schützenbund entscheiden, ob die neue Saison in der 1. und 2. Luftgewehr-Freihand-Bundesliga stattfinden wird. „Die Tendenz ist pro Durchführung“, teilt der Vorsitzende der Sportschützen Bremen, Andreas Brenneke, nach einer Videokonferenz der Vereine mit. Entscheidend sei dann, welche Einschränkungen auf die Vereine zukämen.

„Die Wettkämpfe der 1. Liga werden in Sporthallen ausgetragen. Das ist sehr kostenintensiv. Es müssen eine Halle und elektronische Anlagen für das Wochenende bezahlt werden. Dürfen keine Zuschauer anwesend sein, gibt es für die Veranstalter kaum Einnahmen, aber viel Ausgaben“, gibt Brenneke zu bedenken. In der 2. Bundesliga Nord, in der auch die Lesumer seit zwei Jahren beheimatet sind, durften bis jetzt die Vereinsanlagen genutzt werden. „Sollten diese aber je nach Bundesland nicht freigegeben werden oder nicht ausreichend Platz bieten, sodass auch wir etwas anmieten müssen, können wir das aus eigener Kraft gar nicht stemmen. Wir würden dann auf Spenden oder eventuell auf Globalmittel des Beirates hoffen“, erklärt der Vereinschef. Eine weitere Frage würde sich noch hinsichtlich der ausländischen Schützen stellen. „Dürfen die einreisen?“, fragt sich nicht nur Andreas Brenneke.

Mit Niels Overgaard erhalten die Nordbremer einen weiteren Schützen des dänischen Nationalkaders hinzu. „Nils ist ein sehr guter Freund von Nicklas Kildehoj und möchte gerne in die deutsche Liga reinschnuppern. Er kann mit Nicklas zusammen anreisen und alles mal kennenlernen“, lässt Brenneke wissen. Mit Philipp Koschinsky, der ursprünglich aus Celle kommt und aus beruflichen Gründen nach Bremen gezogen ist, erhalten die Lesumer auch noch einen weiteren Aktiven dazu. „Philipp ist ein guter Schütze, hoch motiviert, sehr trainingsfleißig und passt sehr gut ins Team“, frohlockt Andreas Brenneke.

Jetzt vier Ausländer im Kader

Dadurch, dass die Sportschützen weit verteilt leben, ist ihr derzeitiger Trainingsstand auch sehr unterschiedlich. „Unsere ausländischen Schützen haben individuell auch mit Scatt-Trainingsanlagen zu Hause trainiert. Die Nationalschützen durften unabhängig davon auch schon früher wieder ins normale Training einsteigen“, informiert Andreas Brenneke. Mit den Niederländern Jelle Wind und Cecilia van Dongen sowie den Dänen Niels Overgaard und Nicklas Kildehoj haben die Lesumer mittlerweile vier Ausländer im Team, wenngleich immer nur einer starten darf. „Das ist aber trotzdem gut, weil zum Beispiel nun Niels Overgaard Nicklas Kildehoj nach dem ersten Wettkampf ablösen kann. Da ist Nicklas dann auch schon ein wenig erschöpft“, betont Sportschützin Eyleen Heuwinkel. Außerdem wolle Cecilia van Dongen eine EU-Genehmigung beantragen, mit der sie dann in ein oder zwei Jahren nicht mehr als Ausländerin bei der International Shooting Sport Federation (ISSF) geführt werde und deshalb stets als zweite Ausländerin eingesetzt werden könne.

Eyleen Heuwinkel hält sich seit Januar in der Nähe von Melsungen in Hessen auf. „Gerade als ich mir dort einen Klub zum Trainieren gesucht habe, kam die Corona-Krise mir dazwischen“, berichtet die Medizintechnik-Studentin, die derzeit ein Praktikum absolviert und im Anschluss ihre Bachelorarbeit beginnen wird. Bei der 22-Jährigen ist es in den vergangenen Wochen und Monaten nicht über Trockenübungen mit dem Gewehr und ein wenig Muskeltraining hinausgegangen.

Ganz anders sieht es da schon bei ihren Teamkollegen Jens Hinrichs und Philipp Koschinsky aus. Letzterer erwarb im Internet zwei elektronische Anlagen für daheim, von denen er eine an Hinrichs abtrat. „Ich habe das Glück, dass es bei mir vom Wohnzimmer aus bis in den Flur genau die zehn Meter sind, die ich für mein Training benötige“, teilt Jens Hinrichs mit. Mittels Infrarot kann er nun ebenso wie Philip Koschinsky ein ziemlich realistisches Training daheim absolvieren. „Es fehlt nur der Rückstoß, den das Gewehr durch das Benutzen einer Patrone erfährt“, so der 34-Jährige. Aber auch so hüpfe das Gewehr ein wenig.

Von Jelle Wind habe Hinrichs gehört, dass er in den Niederlanden während des Lockdowns auch fleißig trainiert habe. „Er hat auch viele Tipps für ein Training per Video ins Netz gestellt. Da waren ganz witzige Sachen dabei“, sagt Jens Hinrichs. Der Projektmanager lebt mittlerweile in Sandkrug, kann im dortigen Verein aber gerade nicht trainieren, weil dieser die Corona-Pause dazu genutzt hat, kräftig zu renovieren und unter anderem ein neues Dach für seine Anlage zu errichten. Einmal in der Woche tritt Hinrichs aber auch bei den Sportschützen auf der Anlage des Blumenthaler SV an. „Der Trainingsbetrieb wird bis jetzt aber noch eher verhalten angenommen. Für viele Schützen ist die Saison gelaufen, da ja alle Meisterschaften abgesagt wurden und die neue Saison erst im Oktober mit der Vereinsmeisterschaft startet“, sagt Andreas Brenneke. Teile des Ligateams genossen gerade eine Trainingseinheit mit Uwe Knapp, dem Nationaltrainer des norwegischen Pistolennachwuchses und ehemaligen Übungsleiter des Burger SV. „Er ist ein guter Freund und hat unseren Schützen noch ein paar gute Tipps und Tricks für die kommende Saison gegeben“, so Brenneke.

Trotz der Verstärkungen will der der Vereinsboss den Druck von seiner Mannschaft nehmen. „Einen direkten Angriff auf die 1. Liga wird es wohl nicht unbedingt geben, da mit Nordstemmen eine starke Mannschaft aus der 1. Liga abgestiegen ist und deshalb alles geben wird, um wieder aufzusteigen“, erklärt Andreas Brenneke. Es gebe aber auch noch ein paar andere Mannschaften in der 2. Bundesliga Nord, die das Zeug zum Aufstieg hätten. „Das Ziel für uns wird erst einmal das obere Drittel sein. Und wenn wir es dann wieder zu den Aufstiegswettkämpfen schaffen würden, fahren wir auch motiviert nach Hannover und werden das Beste geben“, verspricht Brenneke.

Die Aktiven selbst äußern sich ein wenig mutiger. „Der Aufstieg ist auf jeden Fall unser Ziel, zumal wir ja Anfang des Jahres erst gerade im Aufstiegswettkampf zur 1. Liga knapp gescheitert sind“, sagt Jens Hinrichs. Während Philipp Koschinsky ein Kandidat dafür sei, etwa 385 Ringe in einem Wettkampf beizusteuern, so habe Niels Overgaard sogar ein noch etwas höheres Niveau. „Der kann mit seinem Nationalmannschaftskollegen Nicklas Kildehoj mithalten“, verrät Hinrichs. Also dürften auch von diesem Ergebnisse von mehr als 390 Ringen zu erwarten sein. Die beiden Dänen hätten sich während der Corona-Pause auch online mit Kaderschützen aus aller Welt gemessen. „Es ist schon der Wahnsinn, was die Dänen so schießen“, staunt Jens Hinrichs. Auch Eyleen Heuwinkel zeigt sich bezüglich der kommenden Saison optimistisch, sofern sie denn ausgetragen wird: „Der Plan ist der Aufstieg. Ich sehe auch eine gute Chance für uns.“

 

 

Die Norddeutsche - 24.01.2020

Erstliga-Aufsteiger werden gesucht

Ohne Topmann Nicklas Kildehoj

von Karsten Hollmann
 

Lesum. Die Sportschützen Bremen kämpfen am Sonntag in Hannover erstmals um den Aufstieg in die 1. Luftgewehr-Freihand-Bundesliga. Finanziell wäre die höchste Klasse für die Lesumer wohl kaum zu stemmen. „Wir könnten uns einen Aufstieg wohl gar nicht leisten. In der 1. Bundesliga sollte man schon ein Budget von 10 000 Euro aufwärts anvisieren. Da hapert es auch schon an Sponsoren, die uns bei unserer Sportart nicht gerade die Tür einrennen“, gibt der Sportschützen-Vorsitzende Andreas Brenne zu bedenken.

Den Schützen selbst könne man diese Summen auch nicht unbedingt zumuten, so Brenneke. Der größte Teil der Mannschaft trifft bereits am Sonnabend in Hannover ein, um das angebotene Training von 17 bis 19 Uhr in Anspruch zu nehmen. Cecilia van Dongen wird dann am Sonntagmorgen dazustoßen. Die Nordbremer müssen allerdings wieder auf ihren dänischen Topmann Nicklas Kildehoj verzichten, der parallel beim H&N-Cup in München startet.

Deshalb steht Cecilia van Dongen erneut im Aufgebot. Neben der Niederländerin läuft der Vizemeister der 2. Bundesliga Nord mit Eyleen Heuwinkel, Guido Flierbaum, Kevin Standhartinger, Jens Hinrichs und Birgit Querfurth auf.

Der erste Wettkampf beginnt um 11.30 Uhr, der zweite um 14:30 Uhr. Neben den Sportschützen Bremen gehen mit der Giebichensteiner SGI-Halle und dem PSV Olympia Berlin (2. Liga Ost), SV Ladekop (2. Liga Nord) sowie SV Kamen und PSS Inden/Altdorf  (2. Liga West) fünf weitere Mannschaften an den Start.

„Unsere Schützen sollen einfach die Aufstiegswettkämpfe genießen und Spaß haben. Ein Platz im Mittelfeld wäre schon schön“, sagt Andreas Brenneke. Für ganz vorne werde es nicht reichen. „Aber in der 2. Bundesliga fühlen wir uns auch ganz wohl“, versichert der Vereins-Chef. Die beiden erstplatzierten Formationen steigen in die Beletage des deutschen Schießsports auf.

 

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